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Vortrag "Geldpolitik"

Steigende Immobilienpreise, kaum Zinsen auf das Ersparte: Doch warum ist das eigentlich so? Die Erklärung dafür erhielten im Hilde-Domin-Saal des Julius-Echter-Gymnasiums Elsenfeld die beiden Kurse von Ute Vogel und Christian Brandt, den Lehrkräften für Wirtschaft und Recht. Dort kamen die Schülerinnen und Schüler aus der Q 12 am Montag, dem 12.11., in den Genuss eines besonderen Vortrags, denn mit Felix Blitz von der Deutschen Bundesbank referierte ein ausgewiesener Experte zum Thema Geldpolitik. Besonders war dieser Vortrag auch aus einem anderen Grund, denn Blitz war selbst Abiturient am JEG und bewies damit, dass sich vom JEG Karrieren starten lassen.
Locker, anschaulich und fundiert geht Blitz in seinem Vortrag drei Leitfragen nach, nämlich warum es überhaupt Geldpolitik gibt, wer sie macht und wie sie funktioniert. Die Antwort auf die erste Frage verdeutlicht er am Beispiel eines eingängigen Produkts – dem Handy; hierfür gelte wie für alle Güter des täglichen Bedarfs, dass sein Preis langsam steige: Dieses Phänomen nennt sich Inflation. Die Inflation gering zu halten, ist eine Aufgabe der Geldpolitik. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat sich zum Ziel gesetzt, die Inflationsrate auf mittlere Sicht unter, aber nahe 2 Prozent zu halten. Die nationalen Zentralbanken wie die deutsche Bundesbank und die EZB sind die eigentlichen Akteure der Geldpolitik des Eurosystems, und nicht Regierungen der Euroländer. Wie Blitz erläutert, handelt die Bundesbank also unabhängig, da sie so am besten für die Stabilität des Euro garantieren kann – ohne Angst vor Eingriffen von Seiten der Bundesregierung.
Das zentrale Instrument der Geldpolitik ist der Leitzins, zu dem sich die Geschäftsbanken Zentralbankgeld leihen können. Die Geschäftsbanken benötigen das Zentralbankgeld für ihre Geschäftstätigkeit, zum Beispiel um ihre Kunden mit Bargeld versorgen zu können. Anschaulich erläutert Blitz, wie über die Höhe des Leitzinses die Inflation beeinflusst werden kann. Allerdings gebe es keine Garantie, dass die Maßnahmen auch wie erhofft funktionieren. Als Folge der letzten großen Weltwirtschaftskrise von 2009 senkte das Eurosystem die Leitzinsen auf Null und teilweise bis in den negativen Bereich. Da die Inflationsraten aber weiterhin unerwünscht niedrig blieben, sind die Zentralbanken des Eurosystems außerdem dazu übergegangen, in großem Stil Anleihen anzukaufen. Die ultralockere Geldpolitik sei durchaus umstritten, gesteht Blitz ein. So seien die niedrigen Zinsen für Sparer eine bittere Pille. Mittlerweile werden monatlich noch Anleihen im Wert von 30 Mrd. EUR angekauft, um die Inflation im Euroraum zu unterstützen. Bis Ende des Jahres sollen die Nettokäufe aber eingestellt werden. Im Zuge der eingeleiteten geldpolitischen Normalisierung werden auch die Zinsen wieder steigen.
Am Ende seines Vortrags zeigt Blitz, wie die Zuhörer selbst bei der Geldpolitik mitwirken könnten, und zwar indem sie als Beschäftigte der Bundesbank ein Duales Studium der Fächer Zentralbankwesen bzw. Angewandte Informatik absolvieren. Wer weiß, vielleicht wird der nächste Vortrag zum Thema dann von einem der heutigen Zuhörer gehalten werden.


 
Thum

 
24.11.2018 19:49:18 | Julius-Echter-Gymnasium, JEG Webmaster