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Yasemin - Liebe zwischen zwei Kulturen

Ein Projekt des P-Seminars „Schüler machen Theater“
„Theater? Als Schulfach? Mit Herrn Fischmann? Klingt gut, ist bestimmt nicht so stressig.“ Von wegen! Natürlich waren anfangs 11, zum Schluss 10 Schülerinnen und Schüler von uns mehr als glücklich, als wir unseren Namen auf der Liste lasen. „Schüler machen Theater“, eines der beliebtesten P-Seminare, die für unseren Abiturjahrgang 2016/18 am Julius-Echter-Gymnasium Elsenfeld angeboten wurden. Von mehr als 60 Anwärterinnen und Anwärtern hatten Hülyanur Yilmaz, Lucie Linke, Evelyn Brill, Lea Marie Kempf, Miriam Ackermann, Dennis Roos, Judith Becker, Noah Weisenberger, Leon Klein und Moritz Berghaus das Glück, im P-Seminar von Herrn Fischmann dabei zu sein.

Yasemin
Mehr Bilder gibt es in der Bildergalerie!

Donnerstagnachmittag, die erste Stunde: Widererwarten wurde der Film, aus dem wir Schülerinnen und Schüler ein Theaterstück formen sollten, von Herrn Fischmann ausgesucht: „Yasemin“ von Hark Bohm. „Naja gut, wir wären uns es eh nicht einig geworden“, dachten wir uns nur und beschwerten uns nicht, wobei der Film bei uns anfangs nicht so viel Zuspruch fand.
Die darauffolgenden Stunden verliefen super: „Während die anderen P-Seminare schuften, schauen wir uns einen Film an, wir haben eindeutig das entspannteste Seminar“ – dachten wir... Nach Fertigschauen des Films haben wir uns in Gruppen eingeteilt, die jeweils für Organisatorisches, Requisiten, Programmhefte sowie Plakatwerbung etc. zuständig waren. Für zwei von uns fing dadurch schon jetzt die Arbeit an, da sie aus dem Film einen Dramentext für unser Theater schreiben mussten. Das Stück, welches als Film im Jahr 1988 erschien, erzählt die Liebesgeschichte zwischen der 17-jährigen Yasemin, Tochter eines türkischen Gemüsehändlers in Deutschland und Jan, einem ein lockeres Leben führenden 17-jährigen. Im Leben der Gymnasiastin hatte ihre nationale Herkunft zuvor nie eine besondere Rolle gespielt, was sich jedoch durch die einst naive, aber bald ernst werdende Beziehung zwischen den beiden Schülern schnell ändert. Als Yasemins Familie von ihrer Beziehung erfährt, merkt die junge Frau erstmals, dass ihre türkische Herkunft auch Nachteile mit sich bringt. Besonders Yasemins Onkel kann die Beziehung der Liebenden nicht akzeptieren und drillt Yasemins Vater dazu, alles Mögliche gegen diese zu unternehmen. Dieser geht am Ende so weit, dass er Yasemin in seine Heimat, die Türkei, schicken will, da sie dort seiner Meinung nach lernt, sich zu benehmen. Als sich der Konflikt zuspitzt, muss sich Yasemin zwischen ihrer Familie und ihrer ersten großen Liebe entscheiden und flieht mit Jan am Ende des Theaterstücks.
Nachdem die Texte fertig geschrieben waren, fingen auch schon die Proben an. Wer für welche Rolle am besten geeignet war, schien Herr Fischmann von Beginn an gewusst zu haben, da er schon in den ersten Proben jeden von uns seine schlussendliche Rolle spielen ließ.
Die anfangs eineinhalbstündigen, zum Ende hin dreistündigen Proben gingen zeitlich mal schnell, mal etwas langsamer herum. Manchmal fehlte es uns an Motivation, wenn man beispielsweise zur Probe erschienen ist und gar nicht spielen musste. Auch war für uns Schülerinnen und Schüler bis kurz vor Ende noch nicht ersichtlich, dass das Theaterstück ein Erfolg werden könnte. Bei fast allen hakte es noch am Text, weshalb die Szenen immer wieder abgebrochen werden mussten. Je näher die Aufführung aber rückte, desto mehr haben wir uns auch darauf gefreut und mehr angestrengt, damit alles klappt. Auch Herr Fischmann hatte sicher Tage, an denen er an unserem Erfolg gezweifelt hat. Wenn beispielsweise der Umbau der Bühne nicht so schnell verlief, wie er es gerne hätte, oder wieder einmal die Hälfte der Schauspieler fehlte.
Aber natürlich gab es auch sehr viele schöne Momente. Durch die Proben und von Herrn Fischmann selbst ausgedachte Schauspielübungen haben wir viel gelernt, sodass wir am Ende unser Bestes geben konnten. Das Schauspielern hat sehr viel Spaß gemacht, weil wir uns selbst in unsere Rollen einbringen und den anderen Tipps geben konnten. Auch untereinander haben wir uns besser kennen gelernt, was sich positiv auf das Schauspiel miteinander ausgewirkt hat.
Eine Woche vor der Aufführung war es dann endlich so weit, dass wir mit unseren Requisiten von der Schule in die Kochsmühle nach Obernburg umziehen konnten. Nachdem alles für den Auftritt im den oberen Stock geschleppt worden ist, konnten dann dort auch schon auf der Bühne die Proben weitergehen. Durch die neue Umgebung und die Bühnentechnik mit Lichteffekten wurde uns langsam bewusst, dass es ernst wird. In den drei darauffolgenden Tagen haben wir alle Szenen noch mehrmals gespielt, verbessert und Kleinigkeiten verändert. Während dieser Zeit haben wir das Stück zum ersten Mal mit allen Szenen und Bühnenwechseln ohne Unterbrechung durchgespielt und waren ziemlich stolz auf unsere Leistung. Dadurch haben wir am deutlichsten gesehen, dass sich das letzte Jahr und die vielen Proben gelohnt haben und wir unser Theaterstück erfolgreich über die Bühne bringen können.
Dem Feedback der Besucher zufolge sowie unserem persönlichen Empfinden nach waren beide Aufführungen ein toller Erfolg – nicht nur hinsichtlich des Spaßes und der Schauspielerei, sondern auch bezüglich der gewonnenen Erfahrungen, welche Herrn Fischmann besonders am Herzen lagen. Beide Auftritte verlangten uns viel Selbstständigkeit, Mut und gleichzeitig Teamfähigkeit ab. Entgegen den Erwartungen unseres Kursleiters – ein Beweis hierfür sind seine verlorenen Wetten bezüglich dem Eintreffen bestimmter Textpatzer – verliefen beide Inszenierungen einwandfrei. Letztendlich brachte der Abschluss unseres P-Seminars große Erleichterung für jeden Teilnehmer mit sich, die dann schnell dem Gefühl des Bedauerns wich, dass die gemeinsame Zeit jetzt vorbei ist. Man merkte im Nachhinein am stärksten, wie sehr die lange, anspruchsvolle Zeit und die in ihr gemeinsam erreichten Ziele uns als Gruppe zusammengeschweißt haben. Wie gut, dass wir diese Erfahrungen nie aufgeben müssen!
 
Evelyn Brill, Lucie Linke und Hülyanur Yilmaz (Q12)