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Hilfe, die Herdmanns kommen

Schinken, Schnaps und Pampers

Theatergruppe des Julius-Echter-Gymnasiums zelebriert »das beste Krippenspiel aller Zeiten«

Kaum ei­ner der fast 400 Be­su­cher woll­te nach 80 Mi­nu­ten in der Kir­che St. Pe­ter und Paul am Sams­ta­g­a­bend der Fi­gur Bar­ba­ra Brad­ley wi­der­sp­re­chen, als sie trot­zig aus­rief:
»Ich sorge dafür, dass es das beste Krippenspiel aller Zeiten wird.« Es geht um Barbara Robinsons Roman »Hilfe, die Herdmanns kommen«, den die Regisseurin Christina Hessel ihrer Truppe mit 30 Mädchen und Jungen aus den Klassen 6 bis 12 des Julius-Echter-Gymnasiums Elsenfeld vorbildlich auf den Leib geschneidert hatte.
Verstärkt wurde das spielfreudige Ensemble der 11- bis 17-jährigen Mädchen und Jungen durch zwei Lehrkräfte, Anja Hirdina und Raimund Trosbach. Sie mimten die taffe Frau Bradley und ihren gutmütigen Mann Bob mit ausdrucksstarkem Spiel.

Herdmanns
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Lange Verbundenheit
Ehemalige Schüler sind ihrer Schule und der Theatergruppe Christina Hessels auch Jahre nach dem Abitur noch so verbunden, dass sie immer wieder den Weg zurück finden. Diesmal brillierte Felix Blitz (Abitur 2009) als Pfarrer Hopper und sorgte dafür, dass alle Akteure genau zum richtigen Zeitpunkt auf die Bühne kamen. Melissa Abu, die 2014 Abitur gemacht hat, gab aus dem Off eine wunderbar penetrante Helen Armstrong, die vom Krankenbett nicht nur Barbara Bradley zur Weißglut treibt.
Eigentlich müssten alle drei Dutzend Akteure genannt werden, die den Zuschauern einen unterhaltsamen und nachdenkenswerten Abend bescherten. Harald Chmiel schulterte die große Aufgabe souverän, im Kirchenraum mit mehr als 20 Headsets und einer schwierigen Akustik für den gewohnt guten Ton zu sorgen. Philipp Hessler rundete das Spiel mit einer spannend improvisierten Umrahmung durch mal flotte, mal besinnliche Weihnachtsweisen auf der Orgel ideal ab.
Mara Schnabel aus der Klasse 8a überzeugte als Verkündigungsengel nicht erst am Ende, als sie das »Stille Nacht« anstimmte. Jana Kapraun (7b) begeisterte mit ihrer frischen Darstellung als Betty, Tochter der Bradleys, und Nicholas Vogt spielte ihren Bruder Charlie in einer schönen Mischung aus Angst vor den Herdmanns und dem Versuch, sich gegen sie zu wehren.
Die sechs Herdmann-Kinder, die bei den »guten Bürgern« als asozial verrufen sind, sorgen dafür, dass am Ende allen, auch den größten Skeptikern, der echte Sinn des Weihnachtsfests klar wird. Rund um Alice, die mit viel Elan die Rolle der Maria übernimmt - energisch und laut, zugleich eine liebevolle Mutter des Jesuskinds: Angelina Fath (8a) - und Ralf Herdmann als rauem und doch besorgtem Josef, gespielt von Christian Alu (12) - standen bei der Aufführung tatsächlich wilde Kinder mit einem guten Kern auf der Bühne und präsentierten ohne Pathos und ohne moralischen Zeigefinger die wahre Weihnachtsbotschaft der Geburt Jesu und ihre Bedeutung für die Menschen und vom Frieden auf Erden - trotz mancher Rauferei. Kaum einer im Kirchenschiff bezweifelte am Ende des Stücks, dass die Herdmanns mit Schinken, Schnaps und Pampers Geschenke zur Krippe gebracht hatten, die wirklich sinnvoller waren als Gold, Weihrauch und Myrrhe.
 
Linduschka