Login

 

Die rote Zora

Akteure des Julius-Echter-Gymnasiums bringen Kurt Kläbers Roman auf die Bühne des Bürgerzentrums

 
»In der Höl­le sind wir schon, wir kön­nen nur noch in den Him­mel kom­men!« Der Satz, mit dem die ro­te Zo­ra, das tem­pe­ra­ment­vol­le Mäd­chen aus der kroa­ti­schen Küs­ten­stadt Sen­ji, ih­ren vier »Mit-Us­ko­ken« der Kin­der­ban­de Mut in höchs­ter Not ein­haucht, lässt kei­nen der ins­ge­s­amt 800 Be­su­cher kalt.

Bei den Aufführungen im Elsenfelder Bürgerzentrum am Freitag- und am Samstagabend begeistern die Schüler des Julius-Echter-Gymnasiums (JEG) mit spannenden Szenen voller Tempo- und Stimmungswechsel, professioneller Licht- und Tontechnik, blitzschnellen Bühnenumbauten und immer wieder atmosphärisch dichten Musikeinblendungen, die das Geschehen auf der Bühne interpretieren und zugleich auf neue Entwicklungen neugierig machen.

Rote Zora
Mehr Bilder gibt es in der Bildergalerie!


Von den Nazis verboten
Die Theatergruppe des JEG bringt unter der bewährten und engagierten Regie von Christina Hessel den Roman von Kurt Kläber aus dem Jahr 1941 auf die Bühne. Kläber, dessen Bücher von den Nazis verboten wurden und der in der Schweiz Zuflucht gefunden hatte, konnte »Die Rote Zora« nur unter dem Pseudonym Kurt Held veröffentlichen - auch die Schweizer wollten sich mit Hitler-Deutschland nicht anlegen.

Gegen Korruption
Die Geschichte der fünf Kinder unter der Führung der roten Zora, die sich an der kroatischen Küste gegen Korruption und Ausbeutung wehren, auf Ungerechtigkeit mit ihren Mitteln reagieren - also auch mal über das Ziel hinausschießen - ist auch 75 Jahre nach dem Erscheinen des Romans aktuell. »Kurt Kläber entwirft die Utopie einer besseren, humaneren Welt. Sein Buch ist ein zeitloser Appell an die Menschlichkeit«, heißt es im Programmheft. Die knapp zweistündige Inszenierung im Bürgerzentrum hat diesen Appell unterhaltsam und mitreißend auf der Bühne präsentiert - mit einer Qualität und Perfektion, die es bei »normalen« Schulaufführungen nicht gibt.
Schulleiter Ulrich Gronemann hat Recht: Es ist tatsächlich zu sehen, »was man in Schulen leisten kann«, wenn Schüler und Lehrer viel Arbeit, Zeit und Idealismus in ein solches Projekt investieren. Und natürlich müssen sie auch über das schauspielerische Talent verfügen. Die 21 Akteure auf der Bühne im Alter von 12 bis 16 Jahren können die Zuschauer jedenfalls ausnahmslos von sich überzeugen, wie klein oder groß ihre Rolle auch ist.
Alle fünf »Uskoken« begeistern das Publikum: Kim Völker als rote Zora mit ansteckender Energie, Philipp Vorbeck als Branko, der sein schweres Leben als Waise meistert, Theo Kocea und Christan Alu als weitere Bandenmitglieder. Viel Szenenbeifall und viele Lacher provoziert schließlich der Fünfte im Bunde der Uskoken, der witzige, schlagfertige Duro des Nick Brohm.

Verdammte Gymnasiasten
Eigentlich müsste man alle nennen, weil sie ausnahmslos überzeugen, auch die »verdammten Gymnasiasten«, die in der »roten Zora« an allem schuld sein sollen. Aus Platzgründen werden hier stellvertretend Paulina Balonier und Sophie Wöber genannt. Erstere verkörpert überzeugend die alte Großmutter Brankos; letztere glänzt als Tochter des Bürgermeisters unter anderem mit einem schönen Klarinettensolo.
Auch die engagierteste Regisseurin kann so eine Aufgabe nur mit einem funktionierenden Netzwerk schultern: Felix Blitz als »Ehemaliger« glänzt nicht nur als Bürgermeister und Priester auf der Bühne, er organisiert auch in perfekter Logistik das komplizierte Geschehen hinter der Bühne. Raimund Trosbach beweist einmal mehr, dass man sich auch als Lehrer von Jahr zu Jahr auf der Bühne so steigern kann, dass der Auftritt immer professioneller wird.

Magie und Atmosphäre
Harald Chmiel hat die schwierige Tontechnik wieder einmal voll im Griff und Philipp Heßler sorgt für Magie und Atmosphäre mit seiner sensiblen, fantasievollen Beleuchtung. Schüler des Abiturjahrgangs hatten zusammen mit Kunsterzieher Rudy Schmid-Vellenzer ein beeindruckendes Bühnenbild erarbeitet.
Am Ende dieser begeisternden Aufführungen gibt es nur ein einziges Problem mit Blick in die Zukunft: die Frage, ob es im nächsten Jahr ohne den dann pensionieren Vollblutbühnenbildner Theater auf diesem Niveau noch geben wird.
Dass es unbedingt weitergehen muss, beweist am Ende ein zwölfjähriger Schüler: »Das war so toll, schade, dass ich nur eine kleine Rolle hatte.« Dem Jungen muss geholfen werden!
 
Linduschka