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Der Mensch vor dem Gericht der Tiere

Schuldig im Sinne der Anklage – Die Theatergruppe der Unterstufe des JEG führt das Stück „Der Mensch vor dem Gericht der Tiere“ auf

 
Ein Hauch von Wehmut lag am Freitag, dem 4. Mai, über der Aula des Julius-Echter-Gymnasiums. Mit dem von ihr inszenierten und auch bearbeiteten Theaterstück „Der Mensch vor dem Gericht der Tiere“ präsentierte Christel Hessel, seit vielen Jahren Leiterin der Theater-AG, ihre unwiderruflich letzte Regiearbeit. Eingeübt hatte sie das Stück vor allem mit den Schülerinnen und Schülern der Klasse 6 B, aber auch je eine Schülerin der 5 C bzw. 7 A waren dabei. Tatkräftige Unterstützung erfuhr sie dabei von Sebastian Tausch (Musik), Andrea Giegerich (Maske) und Jörg Giegerich (Videotechnik).

Gericht der Tiere
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„Wir werden heute Abend vor Gericht gestellt“, so Schulleiter Ulrich Gronemann in seiner Begrüßungsrede. Denn die Tiere haben die Schnauze voll. Nachdem der Mensch nicht aufhört, sie selbst und ihren Lebensraum zu zerstören, haben sie ihn nun vor Gericht gestellt. Die Anklage lautet auf Tierquälerei und Ausrottung. Deshalb wird nun dem Menschen, von Moritz Kulka mit genau der richtigen Dosis Ignoranz und Arroganz gespielt, von den Tieren der Prozess gemacht.
Der Fuchs als Staatsanwalt, verkörpert von Jana Kapraun, hat es nicht schwer, genügend Belastungszeugen für die Verbrechen der Menschen aufzurufen, und so defilieren vom einfachen Haushuhn bis zum Nashorn Tier um Tier am Gericht vorbei und machen ihre Aussagen. Für die Zuschauer keine leichte Kost; zwar sorgen die spritzigen Dialoge und frisch-frechen Pointen für viele Lacher, aber ob der stichhaltigen Beweisführung der gequälten Kreaturen beschleicht so manchen ein Gefühl der Beklemmung. Denn die Vorwürfe der Tiere sind ganz dazu angetan, sich kritisch mit den eigenen Konsumgewohnheiten und dem Umgang mit der Natur auseinanderzusetzen: Die Hühner erinnern an ihre grausame Käfighaltung, der Eisbär kann sich einen Seitenhieb auf den Klimawandel-Leugner Donald Trump nicht verkneifen und der Delfin verweist auf das Artensterben und die Überfischung der Meere.
Eine zentrale Rolle für die Anklage kommt den beiden Bienen Willi und Maya (Julia Amrhein und Lena Heider) zu, die am Beispiel des aktuellen Bienensterbens all die Versäumnisse und Fehler der Menschen anprangern. Im weiteren Verlauf des Stückes werden die Tiere dann auch den Song „Let’s save the bees“ der Musikgruppe „Fettes Brot“ anstimmen.
Paula Fischschneider in der Rolle des Affen macht eindringlich deutlich, dass die menschliche Hybris bereits im Alten Testament zu finden sei und der Mensch seinen Platz als Krone der Schöpfung über Gebühr missbraucht habe. Die Tiere stimmen auch prompt das bekannte Lied „Die Affen rasen durch den Wald“ an, wobei es aber diesmal der Mensch ist, der „kalt gemacht“ werden soll.
Bezeichnender Weise wird der Mensch vom Schaf (Isabelle Schulten) verteidigt, das lediglich zwei Entlastungszeugen ins Feld führen kann, nämlich Hund und Katze. Am Schluss ist die Verurteilung des Menschen eigentlich schon beschlossene Sache, aber ein Videoclip mit dem Titel „Der Mensch. Der Freund der Tiere“ stimmt die Geschworenen milde, und so verkündet der Löwe (mit Majestät gespielt von Alexander Haberecht) als Richter am Schluss das Urteil: schuldig, aber mit mildernden Umständen. Der Mensch erhält die Möglichkeit, sich zu bessern, was er auch eifrig gelobt. Eine Charta der Tierrechte soll ihn daran gemahnen, was er in Zukunft zu tun hat, wenn er nicht will, dass die Umwelt und damit auch er selbst endgültig zerstört wird. So ist der Mensch, und mit ihm in gewissem Sinne auch das Publikum, noch einmal mit dem Schrecken davongekommen.
Der lang anhaltende Applaus am Schluss galt nicht allein dem überzeugenden und anrührenden Spiel der Schüler, sondern war zugleich auch eine Hommage an Christel Hessel, die über viele Jahre hinweg mit ihrer Theatergruppe dem Publikum der JEG-Schulaufführungen unvergessliche Momente geschenkt hat.
Thum