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Auf den Spuren Echters III

Auf den Spuren Julius Echters

 
Anlässlich des 400. Todestages des Fürstbischofs Julius Echter haben sich 23 Schülerinnen und Schüler des Julius-Echter-Gymnasiums Elsenfeld in Begleitung dreier Lehrer auf den Weg nach Würzburg gemacht, um dem Namenspatron ihrer Schule auf den Zahn zu fühlen. Dort trafen sie sich mit dem Theologieprofessor Wolfgang Weiß, einem Experten auf dem Gebiet der fränkischen Kirchengeschichte, der ihnen Auskunft über die Person und das Wirken Julius Echters gab. Die Fragen an Professor Weiß stellten die Schüler Leonart Wolz, Fabian Schreck, Ann-Kathrin Köhler, Amelie Vandeven und Cate Hackadorian.
 
Fabian: Wie kommt es dazu, dass sie sich so intensiv mit Julius Echter beschäftigt haben?
Prof. Weiß: Ich beschäftige mich seit 1999 mit der Kirchengeschichte Frankens, in welcher Julius Echter eine Schlüsselrolle spielt. Besonders dadurch, dass er in der Epoche der Konfessionalisierung, in der sich geklärt hat, ob eine Region katholisch oder evangelisch wird, gewirkt hat, ist es unvermeidlich, mit dieser Person in Berührung zu kommen. Aufgrund seines 400. Todestages habe ich mich in der letzten Zeit noch intensiver mit ihm befasst.
Fabian: Was hat ein Fürstbischof zu dieser Zeit gemacht?
Weiß: Damals war ein Fürstbischof Reichsfürst und Bischof einer kirchlichen Region zugleich. Somit hatte er neben seinem kleineren weltlichen Aufgabenbereich auch einen viel größeren geistlichen Bereich zu regieren. Zu seinen Pflichten gehörte unter anderem die Verwaltung seines Gebietes, die Regelung der Finanzen und des Militärs und die Fürsorge und Bildung im kirchlichen Sinne.
Fabian: Welche Motive prägten Echters Handeln?
Weiß: Er widmete der Rekatholisierung seines Bistums viel Aufmerksamkeit und wollte der Kirche zu ihrer alten Stärke verhelfen. Seine absolutistische Herrschaft entsprach voll und ganz dem Geist seiner Epoche.
Fabian: War Echter auf das politische oder geistliche Wirken fokussiert?
Weiß: Vielerlei Stimmen diskutieren über diese Frage und vertreten verschiedene Meinungen. Jedoch kann man, meiner Meinung nach, diese Aspekte im 16. Jahrhundert keineswegs trennen. Dennoch widmete sich Echter primär der Kirche.
Fabian: Hatte Echter Einflüsterer oder hat er aus freien Stücken regiert?
Weiß: Julius Echter war ein sehr gebildeter Mann, der viele geistliche und weltliche Berater an seiner Seite hatte. Er hörte nicht blind auf ihren Rat, sondern unterschied zwischen guten und schlechten Ratschlägen. Für ihn war die Konfession seiner Berater nicht so wichtig wie deren Können und so versammelte er nicht nur katholische, sondern auch evangelische Gefolgsleute um sich.
Fabian: Wie kam das Domkapitel zu der Annahme, Echter sei ein schwacher Herrscher?
Weiß: Er war der jüngste Domkapitular und obwohl allen bewusst war, dass er eine sehr gute Schule durchlaufen ist, unterschätzte man den jungen Echter. Letztendlich handelte er sehr eigensinnig und ließ sich nicht auf der Nase herumtanzen.
Ann-Kathrin: Können Sie Julius Echter in drei Begriffen beschreiben?
Weiß: Klug, konsequent und nicht ganz „ungerissen“ (lacht).
Ann-Kathrin: Wie kann man Echters Handeln einschätzen?
Weiß: Das ist schwer, da man Menschen aus der Sicht ihrer eigenen Epoche heraus bewerten sollte, aber wir haben heute einen komplett anderen Blickwinkel auf die Geschichte und andere soziale Werte. Aus der heutigen Sicht wirkte Julius Echter eigensinnig und grausam, doch dieses Verhalten entspricht der Norm der damaligen Epoche. Trotzdem sollte man sich mit seinen Taten auseinandersetzen, um daraus zu lernen.
Ann-Kathrin: War Echter ein klassischer oder neuartiger Vertreter seiner Zeit?
Weiß: Echter hatte durchaus neuartige Züge in punkto Gemeinwesen, zum Beispiel im Umgang mit Frauen, doch im Großen und Ganzen entsprach sein Handeln seiner Zeit.
Amelie: Was wären Echters Schwerpunkte in der heutigen Zeit?
Weiß: Ich denke, dass Echter sein Hauptaugenmerk auf die Bildungspolitik, die Internationalisierung, unter anderem Schüleraustausche, das Gemeinwesen und den Ausbau der Infrastruktur legen würde.
Amelie: Warum waren Schulen so wichtig für Julius Echter?
Weiß: Die Studenten mussten vor der Aufnahme an der Uni ja eine gewisse Basis an Wissen haben und diese erlangten sie nur durch gute Schulen. Dazu kommt, dass die Leistungskraft eines Gebietes natürliches steigt, wenn die Bürger gebildet sind. Echters Untertanen wurde nicht nur das Lesen und Schreiben beigebracht, ihnen kam auch eine religiöse Bildung zu, was das Verständnis für die Kirche förderte. Durch die Schulen konnte Julius Echter immer die klügsten Köpfe um sich versammeln, da die Schlausten vom Land nach Würzburg geschickt und dort gefördert wurden.
Amelie: Wie kam es, dass Echter so viele Spitäler gegründet hat?
Weiß: Echter gründete Spitäler an Orten, an denen es noch keine gab. In erster Linie aber widmete er sich eher den bestehenden, aber restaurierungsbedürftigen Spitälern.
Amelie: Woher nahm Echter das Geld für den Bau der Schulen und Spitäler?
Weiß: Julius Echter führte den Haushalt seines Bistums sehr klug und versuchte immer, das Geld im Land zu behalten. Ein Großteil des zur Verfügung stehenden Geldes kam aus der Landwirtschaft.
Leonart: Wie stand Echter zur Reformation?
Weiß: Echter war ein überzeugter Katholik, doch manche Stimmen behaupten, dass es anfangs nicht ganz klar gewesen sei, zu welcher Konfession er sich bekennen würde und teilweise sogar, dass er überlegt habe, ob er evangelisch werden sollte. Dies halte ich jedoch für abwegig.
Leonart: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Echter und Luther?
Weiß: Ich denke, dass es mehr Unterschiede zwischen den beiden gibt als Gemeinsamkeiten, aber beide waren, insofern man das hier sagen kann, Überzeugungstäter und hatten ein ausgeprägtes Obrigkeitsverständnis.
Leonart: Unsere Schule heißt Julius-Echter-Gymnasium. Würden Sie nochmal eine Schule nach Julius Echter benennen?
Weiß: Selbst wenn es gute Gründe geben würde, würde ich eher zu einem „Nein“ tendieren. Namensgeber aus dem Bereich Kirche sind nur noch für einen Teil der Bevölkerung Personen, die zur Identifikation einladen. Ich sehe auch die Schattenseiten Echters. Doch ich gehöre nicht zu den Personen, die dafür sind, dass die nach ihm benannten Schulen umbenannt werden sollen.
Cate: Was ist Ihre persönliche Meinung zu Julius Echter?
Weiß: Ich denke, man kann eine Person nicht nach negativ und positiv unterscheiden. Er war ein guter Anführer, doch keine einfache Persönlichkeit. Ich würde sagen, dass er für die Region viel Wichtiges getan hat, denn ohne ihn wäre die gesamte Region nicht das, was sie heute ist. Man kann diesen Echter zwar nicht von dem anderen, eher skrupellosen Echter loslösen, doch es lohnt sich auf jeden Fall, sich mit ihm zu beschäftigen.
Katharina Kurz, Katharina Vogel, Mia Vogt