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Auf den Spuren Echters II

Auf den Spuren von Julius Echter  (1545-1617)

Exkursion einer jahrgangsübergreifenden Schülergruppe nach Würzburg

Anlässlich des 400. Todestages von Julius Echter – dem Namensgeber unserer Schule – haben wir, eine Gruppe von 26 Schülerinnen und Schülern am Dienstag, den 21.03.2017 zusammen mit Frau Walz, Herrn Söller und Herrn Giegerich eine Ganztagesexkursion nach Würzburg gemacht, um uns auf die Suche nach Echters Wurzeln und Spuren zu begeben.
Zunächst besuchten wir die Julius-Maximilians-Universität, genauer gesagt das Gebäude der Neuen Universität am Sanderring, in dem die wirtschaftswissenschaftliche und katholisch - theologische Fakultät beheimatet sind. Die Namensgeber der Universität waren wie unschwer zu erkennen ist: Julius Echter, der Gründer der Universität und der damalige König Maximilian I.
Gleich zu Beginn eines Rundgangs durch das Gebäude verwies Professor Wolfgang Weiß, Lehrstuhlinhaber für Fränkische Kirchengeschichte und Kirchengeschichte der Neueren Zeit am Institut für Historische Theologie auf das Wappen der Familie Echter, das auch heute noch im Wappen der Universität zu finden ist, sowie auf die mit Todesjahr versehenen Büsten der beiden Gründer, die die Fassade der Neuen Universität zieren. Eine weitere Büste von Julius Echter findet man im Inneren des Gebäudes, wie zahlreiche weitere historische Objekte, die Professor Weiß uns kurz vorstellte.
Schließlich fanden wir uns in einem Seminarraum des Instituts für historische Theologie zusammen, in dem ein Interview mit Professor Weiß, der bereits seit 1999 an der Universität lehrt, über Leben und Wirken Julius Echters stattfand. Dieses führten fünf Schüler aus der 7. Klasse durch. Als erstes lernten wir, dass Julius Echter eine zentrale Gestalt für die Entwicklung von Würzburg und Umgebung war. Er war Fürstbischof im Zeitalter der Konfessionalisierung, das heißt, er war nicht nur Reichsfürst, sondern auch Bischof. Somit hatte er sowohl weltliche, als auch geistliche Aufgaben zu bewältigen, wobei ihn große Durchsetzungskraft und ein autoritärer Führungsstil auszeichneten. Als Person war Julius Echter für eine ausgeprägte eigene Meinung bekannt, er war jedoch schlau genug, auch kompetente Berater einzusetzen, ohne gleichzeitig von diesen abhängig zu sein. Um Echter besser einordnen zu können, sprachen wir besonders über seine sowohl guten, als auch schlechten Taten. Zu seinen guten Taten zählt die Gründung der Universität, die 1582 gebaut wurde und mit der Zeit immer wichtiger und angesehener wurde - vor allem aber der Fürsorgebereich, welcher das Julius Spital, die erneuerten Spitäler und Schulen und die verbesserte Verwaltung umfasst. Erkennbar ist dies auch heute noch und so wird oft gesagt, dass Echter für den Neuanfang des modernen Würzburg verantwortlich sei.
Dennoch sollte man sein „negatives“ Wirken nicht vernachlässigen. In diesem Zusammenhang betonte Professor Weiß, dass es sehr wichtig sei, im Hinterkopf zu behalten, dass man im 16. Jahrhundert Religion nicht von Weltlichem getrennt betrachten konnte, und dass eine Bewertung nach modernen Maßstäben nur bedingt sinnvoll sein kann. Wie die meisten seiner Zeitgenossen, sprach er zum Beispiel Juden die Gleichberechtigung ab und verfolgte Hexen, an deren Existenz er als Kind seiner Zeit selbstverständlich nicht zweifelte. Wie wir erfuhren gibt es jedoch aktuelle Forschungsergebnisse zu diesem Thema, die darauf hinweisen, dass er vor allem in seiner Anfangszeit wohl eher ein zurückhaltender Hexenverfolger war, der sich u.a. für „gerechte“ Prozesse einsetzte. Außerdem fand der tatsächliche Höhepunkt der Hexenverfolgung erst zur Zeit seiner Nachfolger statt. Dass Julius Echter den Menschen heute als „größter Hexenverfolger“ bekannt ist, ist wohl dadurch zu erklären, dass er eine der zentralsten Figuren der fränkischen Kirchengeschichte ist.
Auf die Frage, welche Schwerpunkte Echter heute setzen würde, antwortete Professor Weiß mit: „Er würde besonders auf das Bildungswesen, die Infrastruktur und die Internationalisierung achten. Auch heute wäre er eine flexible, verantwortungsbewusste Führungsperson.“
Auf die Frage, warum Julius Echter der Namensgeber unserer Schule ist und wie er dazu stehe, antwortete Professor Weiß, dass Echter eine sehr wichtige Person im Spessart war und in Mespelbrunn geboren ist. Er glaubt aber nicht, dass bei der Entscheidung das negative Wirken Echters außer Acht gelassen wurde. Er persönlich würde allerdings aktuell keine Schule mehr nach ihm benennen, da man heute eine andere Sichtweise auf diese Zeit hat. Am Ende des Interviews betont er jedoch noch einmal, dass man Personen aus anderen Zeiten immer nach den damaligen Kriterien beurteilen sollte. Man sollte sie nicht gleich verurteilen, aber ihre Fehler erkennen, um sich kritisch mit ihnen auseinanderzusetzen und daraus zu lernen. Julius Echter besitzt eine komplexe Persönlichkeit, bei der man sowohl die guten als auch die schlechten Seiten erkennen sollte und keine der beiden vergessen darf.
Zusammenfassend beschrieb Professor Weiß unseren Namensgeber mit den Worten: „Klug, konsequent, nicht ungerissen und ein Überzeugungstäter.“
Nach dem ausführlichen Interview führte uns Professor Weiß zur Alten Universität in der Neubaustraße, dem Gebäudekomplex aus der Zeit von Julius Echter, und danach zum Dom, wo wir die Grabstätte Echters besuchten. Verabschiedet hat sich Professor Weiß am Haus des derzeitigen Bischofs.
Nach einer kleinen Mittagspause haben wir dann das Julius­-Spital, welches Echter im Jahr 1576 stiftete, besucht. Dort hat uns der zuständige katholische Seelsorger Pfarrer Stühler die Anlage gezeigt und uns durch den beeindruckenden Weinkeller mit 220 teilweise kunstvoll verzierten Fässern geführt.
Abgeschlossen wurde unser Ausflug durch einen Besuch auf der Palliativstation, die sich vor allem dem Lindern von Symptomen und Komplikationen bei unheilbar kranken Menschen verschrieben hat. Die Station besteht aus zwei Bereichen mit insgesamt 15 Betten. In einem kurzen Vortrag von der stellvertretenden Pflegeleitung Frau Raps wurden uns Sinn und Aufgaben der Station erklärt und in einem Gespräch viele unserer Fragen beantwortet.
Durch unsere Exkursion nach Würzburg haben wir nicht nur eine neue, differenzierte Sichtweise auf unseren Namensgeber Julius Echter gewonnen, sondern auch viel über ihn und seine Spuren, die er hinterlassen hat, erfahren und gelernt.    
Jana Amberg