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Julius Echter

Wie das JEG zu seinem Namen kam

Karlheinz Gleußner, erster Schulleiter des JEG in seinem Artikel für den Jubiläumsband zum 25-jährigen Bestehen des JEG, erinnert sich.

Ein neugeborenes Kind bekommt einen Namen. Schon frühzeitig habe ich mir als Schulleiter diesbezüglich Gedanken gemacht. Die räumliche Nähe der Schule zu Schloß Mespelbrunn (Elsenfeld ist nur zehn Kilometer davon entfernt) war ein wesentlicher Gesichtspunkt. Im Schloß Mespelbrunn wurde Julius Echter geboren, der als Fürstbischof von Würzburg und Herzog von Franken einer der bedeutendsten Kirchenfürsten der Spätrenaissance und wohl der bedeutendste des Würzburger Hochstiftes war. Zwei große Werke lassen ihn bis heute in der Erinnerung der Nachwelt fortleben: Das erste ist seine Stiftung des Julius-Spitals Im Jahre 1579, eines sich durch seine großzügige Anlage wie durch seine ganze Konzeption von ähnlichen Einrichtungen abhebenden Krankenhauses, Waisen- und Altenpflegeheimes nebst Pilgerherberge, das gleichsam ein Symbol für seine übrigen karitativen Werke darstellt, und das Zeugnis ablegt von seiner Aufgeschlossenheit den Problemen der Armen, Schwachen und Hilfsbedürftigen gegenüber. Das andere ist seine einer Neuschöpfung gleichkommende Wiedergründung der Universität, nachdem die erste, unter Fürstbischof Johann von Egloffstein gegründete Würzburger Universität bereits knapp zwei Jahrzehnte nach ihrer Gründung im Jahr 1402 wieder eingegangen war, sowie die im weite­sten Sinn mit dem heutigen Bafög-Modell vergleichbare Schöpfung einer Stiftung für bedürftige Studenten. Die Universität war seine Lieblingsschöpfung. Nichts symbolisiert dies besser, als die Tatsache, daß einer letztwilligen Verfügung entsprechend die sterbliche Hülle Julius Echters im Würzburger Dom, sein Herz aber in der einen Teil des alten Hochschulgebäudes bildenden Universitätskirche beigesetzt worden ist. Durch diese beiden Taten fällt das hellste Licht auf sein Bild, auf das andere Handlungs-und Denkweisen auch Schatten werfen, wie z.B. seine rigorose Betreibung der Gegenreformation in den Jahren 1585 bis 1588. Als Herrscher eines Kirchenstaates jedoch, in dem die geistliche und weltliche Gewalt in einer Hand lagen, mußte ihm gerade angesichts der sich vertiefenden Glaubensspaltung besonders an der konfessionellen Einheit und Geschlossenheit seines Staatswesens gelegen sein. Ob mehr die Sorge um das Seelenheil seiner Untertanen Richtschnur seiner Regierung war oder mehr das Interesse an der Festigung seiner landesherrlichen Macht, muß der Historiker entscheiden. Aufgrund dieser Sachverhalte leitete ich, nachdem die beabsichtigte Namensgebung auch die Billigung des damaligen Elternbeirats fand, diesen Namensvorschlag im Mai 1972, vorbehaltlich der noch notwendigen Zustimmung des Kreistages, an das Staatsministerium für Unterricht und Kultus weiter. Leider gab es dabei eine Kontroverse: Bis auf vier Gegenstimmen folgte der Kreistag einer Anregung des Verbandes der Heimatvertriebenen und beschloß, der Schule den Namen Adalbert-Stifter-Gymnasium zu geben und meinen Namensvorschlag zu verwerfen. Der Kreistag wollte dabei dem hohen Anteil der Heimatvertriebenen damals rund 20 Prozent der Bevölkerung, Rechnung tragen. Mein Einwand, daß den Namen Adalbert-Stifter-Gymnasium bereits ein Gymnasium in Passau trug, wurde nicht berücksichtigt: Erfreulicherweise folgte das Staatsministerium meiner Argumentation und lehnte die Kreistags-Namensgebung ab. Bei einer weiteren Beschlußfassung stimmte der Kreistag schließlich meinem Namensvorschlag zu. Seitdem führt die Schule in ihrem dienstlichen und außerdienstlichen Verkehr sowie in ihrem Dienstsiegel den Namen Julius-Echter-Gymnasium Elsenfeld.