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Fremdsprachentag 2016

Ein Land wie ein Kontinent

Prosper Nokwe stellte am JEG Neuntklässlern sein Heimatland Kamerun vor

Knallrote Mütze und sonnengelber Rock  - mit diesem Outfit zog Herr Prosper Nokwe sofort die Neuntklässler des Julius-Echter-Gymnasiums in seinen Bann. Im Rahmen des Kultur- und Fremdsprachentages, der jedes Jahr den Schülern des JEG in der neunten Jahrgangsstufe Einblicke in die Kultur und Sprachen ferner Länder vermitteln soll, informierte Prosper Nokwe über sein Heimatland Kamerun. Er selbst lebt seit 20 Jahren in Deutschland , sieben Jahre davon mit seiner Frau und zwei Kindern in Obernburg.

Kamerun wird auch „Kleinafrika“ genannt, da in diesem kleinen westafrikanischen Land nicht nur alle Landschaftsformen, Klimazonen und Spezies der Flora und Fauna auftreten, die typisch für diesen Kontinent sind, sondern auch alle in Afrika verbreiteten Religionen. Hier befindet sich z.B. der mit 4100 Metern zweithöchste Berg Afrikas, der Mt. Cameroon, oder ein aus dem Tarzanfilm von 1984 bekannt gewordener Wasserfall mitten im Regenwald. Trotz dieser landschaftlichen Attraktionen gibt es in Kamerun derzeit nur wenig Tourismus, da im Norden des Landes die islamistische Gruppierung „Boko Haram“ Terror verbreitet.
Die Wirtschaft des Landes wird geprägt von Kleinbauern, die, wie Herr Nokwe betonte, sehr wohlschmeckende Früchte produzieren und auf den Märkten verkaufen. Dort bietet sich stets ein sehr buntes Bild, da die Gesellschaft Kameruns von einem „Mix verschiedenster Kulturen geprägt ist“, so Herr Nokwe. Die Kleidung, die er bei seinem Vortrag trug, sei typisch für die Bewohner der Küstenregion Kameruns. Etwas schwierig dürfte auf diesen Märkten die Kommunikation sein, denn in Kamerun werden neben den Amtssprachen Englisch und Französisch 240 verschiedene Dialekte gesprochen, die sich stark voneinander unterscheiden. Herr Nokwe spricht die „Bakossi-Sprache“, die erst jetzt nach und nach verschriftlicht wird. Bislang wurde diese Sprache rein mündlich überliefert. Eine Kostprobe? „ Chӑn mәkan?“ bedeutet „Wie geht’s?“ auf Bakossi. Mit großem Eifer lernten die Schüler weitere Grundbegriffe dieses afrikanischen Dialekts. Zur Belohnung servierte Herr Nokwe den JEGlern dann von ihm selbst zubereitete „Puff Puffs“, süßeTeigbällchen, die in Fett gebraten werden. Er klärte die Schüler darüber auf, dass in ganz Afrika mit Händen gegessen wird und dass auf diese Art und Weise das Essen noch viel schmackhafter ist, da alle Sinne bei der Nahrungsaufnahme beteiligt werden. Davon konnten sich die Schüler beim Verzehr der Teigbällchen selbst überzeugen.
So gestärkt seien die Schüler nun auch bereit, die nicht so schöne Seite des Landes zu verarbeiten, meinte Herr Nokwe. Er sprach über die zum Teil katastrophale Infrastruktur Kameruns, die besonders in der Regenzeit dazu führt, dass weite Teile des Landes nur schwer zu erreichen sind. Ein weiteres Problem ist die Bildung. In vielen Dörfern gibt es nur baufällige Gebäude, von unseren deutschen Schülern zunächst als „Ziegenstall“ bezeichnet, die als Schule dienen.

Häufig stehen keine Schulbücher zur Verfügung, so dass die Kinder den Stoff mühsam von der Tafel abschreiben müssen. Außerdem hindert die Armut viele Familien daran, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Deshalb hat Herr Nokwe eine Organisation gegründet, die in seinem Heimatdorf die Schule mit Spendengeldern bereits zum Teil neu aufgebaut und einige Klassen mit Schulbüchern versorgt hat. Er selbst musste als Kind immer fünf Kilometer zu Fuß zur Schule laufen, meist barfuß, was man seinen Füßen und Nägeln noch heute ansehe, erzählte er den JEGlern. Trotzdem träumt er davon, später, in der Rente vielleicht, in seine Heimat zurückzukehren. „Das Wetter ist viel besser dort, das Essen auch und wir haben herrliche Strände. Außerdem sind die Menschen meist gut gelaunt und erzählen offen von ihren Problemen, was auf Dauer besser für die Gesundheit ist“, meinte er.
Gute Laune verbreitete Herr Nokwe durchaus im Hilde-Domin-Saal des JEG mit seinem ebenso unterhaltsamen wie informativen Vortrag und nach einem begeisterten Schlussapplaus konnte er als Dankeschön für sein Engagement noch eine Spende von Mitgliedern des Lehrerkollegiums für sein Hilfsprojekt entgegennehmen.
 
                                                                                                                                                                             Hirdina