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Abiturjahrgang 2012

„Wir werden die Schule vermissen“

96 Abiturienten verabschieden sich mit dem Reifezeugnis - dreimal mit der Traumnote 1,0

Wenn Ende Juni in Elsenfeld feierlich die Reifezeugnisse überreicht werden, dann ist es zumeist drückend heiß - der einzige Nachteil im schönen Ambiente des Bürgerzentrums. Vielleicht war die Schwüle ein Grund dafür, dass es heuer sehr unruhig im Saal war. Auch die beiden charmanten Moderatoren Laura Becker und Benedikt Gogolin konnten an der Lautstärke im Publikum kaum etwas ändern.

Der Ablauf des Abends war dann aber rundum erfreulich - sicher auch deshalb, weil sich der Abiturjahrgang 2012 am JEG durch viel Kreativität und Musikalität ausgezeichnet hat und auch die Feier mit qualitätvollen Musikeinlagen stilvoll ausgestaltete. Die „Stabführung“ des Musiklehrers Klaus Becker bewährte sich aufs Beste. Die meisten der insgesamt acht Reden waren dann jedoch erfrischend kurz.
MdL Berthold Rüth erntete noch Buhrufe, als er verriet: „Ich hab’ gleich gedacht, dass die Deutschen verlieren.“ Dann aber widersprach ihm niemand mehr, als er mit Blick auf die 46 Prozent Jugendarbeitslosigkeit in Spanien den Abiturienten zurief: „Sie können sich freuen, dass sie in Deutschland leben.“ Landrat Roland Schwing stellte seine Glückwünsche unter das Motto, das der neue Bundespräsident Joachim Gauck geprägt hat: „So ein schöner Tag!“ und wünschte alles Gute für den weiteren Lebensweg. Bürgermeister Matthias Luxem lobte die Absolventen für ihre „reife Entscheidung“, für ihre Feier die „gute Stube“ der Marktgemeinde gewählt zu haben, und mahnte, zentrale Werte und Einstellungen nicht zu vergessen: Eigenverantwortung, Offenheit und Solidarität.
Dietmar Fieger erinnerte an die Leistungen des Freundeskreises und warb bei den frischgebackenen Abiturienten für eine Mitgliedschaft, bevor der Elternbeiratsvorsitzende Albert Schott zustimmend Benjamin Franklin zitierte, für den „Investitionen in Wissen“ die „beste Investition“ waren. Er rief den 96 Absolventen ein „Das habt ihr gut gemacht!“ zu und versicherte, sie hätten am JEG ein „gutes Startkapital für die Zukunft“ erhalten.
Humorvoll und pointiert war die Rede des Oberstufenkoordinators Roland Jalowitzki, der das Motto „Abier - Trinkt aus, wir gehen“ aufgriff und konsequent auf den Gerstensaft bezog. Er spielte auf den „Gärungsprozess der Pubertät“ genau so an wie auf die „Endprodukte“, von „Leichtbier“ über „Premium-Pils“ bis zum „hochprozentigen Starkbier“ und mahnte: „Für die Vermarktung müsst ihr selbst sorgen.“
Die Rede für die Abiturienten hielt Estella Amendt. Sie dankte allen, die ihnen acht Jahre lang den Weg am JEG geebnet hätten, bezeichnete das Gymnasium als „unser zweites Zuhause“ und formulierte: „Wir werden die Schule vermissen!“ Mehrfach plädierte sie für das Recht, „keinen Plan haben zu müssen“, und sagte: „Wir sind jung, wir haben das Recht, unser Leben in vollen Zügen zu genießen.“ Günther Siegels Rede setzte dazu den Kontrapunkt.
Der Schulleiter hielt seine letzte Rede bei einer Abiturfeier mit großem Ernst und warnte davor, das „G8 schlecht zu reden“. Viel Lob hatte er für die Spitze des Jahrgangs übrig und hob hervor, dass es heuer in der 33-jährigen Abiturtradition am JEG zum ersten Mal mit Mona Salwender, Lea Fischer und Nina Schreiber drei Abiturientinnen mit dem Notendurchschnitt 1,0 gebe. Realistisch schränkte er ein: Das liegt sicher auch am Wechsel zum G8.“ Sein Plädoyer für das bayerische Abitur: Es biete nach wie vor sehr gute Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium. Aus der Berliner Rede des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler 2008 zitierte er drei Ziele, die er auch den frischgebackenen Abiturienten ans Herz legte: „Arbeit - Bildung - Integration“.

Dreimal die Traumnote 1,0, ein knappes Viertel der Absolventen mit einer Eins vor dem Komma, ein Gesamtdurchschnitt von rund 2,3, Musiktalente, die das kulturelle Leben am JEG und auch die Abiturfeier sehr bereichert haben: Der Jahrgang wird am JEG sicher eine Lücke hinterlassen und hat sich konsequent ein Motto von Arthur Schnitzler für seinen letzten Auftritt an der Schule gewählt: „Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange darauf freut.“
 

Die 96 Abiturienten des Jahrgangs 2012

Amorbach: Katharina Brendel. Elsenfeld: Sebastian Bothe, Vanessa Emge, Sinem Emre, Vanessa Giegerich, Okan Gökay, Annika Hauck, Janine Hörner, Katja Klug, Moritz Klug, Chantal Rücker, Judith Schönig, Vera Schreck, Nina Schreiber, Julia Stockinger, Mario Volz, Timo Volz, Lena Weinkauf und Susanne Weis. Erlenbach: Anton Abb, Anja Bornhorst, Katharina Hepp, Judith Knüttel, André Kröker, Cosma Leder, Nora Plöchl und Jana Roos. Eschau: Vanessa Herkert und Luisa Schäfer. Großostheim: Sabrina Becker und Lena Hock. Großwallstadt: Nora Spielmann. Hausen: Diana Aulbach, Anna Brand, David Englert und Jennifer Küfner. Höchst: Jana Bauer, Nikolai Gallina und Damian Wachsmann. Kleinwallstadt: Lukas Brehm, Jeremy Eberwein, Jessica Gebauer, Marius Gulich, Florian Jakob, Janis Jung, Charmaine Karch, Alexander Kempf, Maximilian Scherger und Maren Vogt. Klingenberg: Theresa Becker, Hilal Dinc, Sercan Marangoz, Mona Salwender, Julia Seidler, Igor Sevenard und Mandy Wiesner. Leidersbach: David Fischer, Veronika Hefter und Susanne Keller. Lützelbach: Laura Becker, Sabrina Bick, Magdalena Heß, Corinna Olt, Sabrina Pham. Mömlingen: Janina Klotz und Melina Lieb. Niedernberg: Estella Amendt, Annika Hans, Katharina Köttner, Vanessa Reinhard und Saskia Schnabel. Obernburg: Jessica Ball, Darlene-Sue Bauer, Julia Bunke, Deniz Dandir, Lukas Fieger, Lea Fischer, Simon Fuchs, Benedikt Gogolin, Lorenz Haart, Nils Härtel, Florian Helleiner, Anna-Lena Hildebrand, Verena Hold, Paul Koehler, Hanna Lapresa, Florian Reis, Alla Wagner, Moritz Weissenberger, Silke Wenzel und Thomas Zipprich. Wörth: Berna Ayhan, Johannes Hörst, Julia Krenz, Laurin Oppermann und Lisa Zöller.
 
Text: Heinz Linduschka