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Projektwettbewerb der bpb 2014/15

„Billige T-Shirts, wer zahlt den Preis?“

Ein Projektbeitrag des Kurses 9ab

Was ist das für ein Projektwettbewerb?

Alljährlich veranstaltet die bpb (Bundeszentrale für politische Bildung) einen Wettbewerb, bei dem sich Jugendliche in verschiedenen Gruppen zusammentun, um aus sechs politisch sowie sozial thematisierten Bereichen einen auszuwählen und ein kreatives Projekt zu gestalten - mit Themen wie Drogenkonsum, Zivilcourage oder erneuerbaren Energien.
Dabei gehen jährlich unzählige Einsendungen – ob nun als Film, Radiofeature, Infobroschüre oder Fotostory - bei der bpb ein, welche die besten Projekte der jeweiligen Altersgruppen mit Geldpreisen oder Reisen belohnt.
Als Ziel rufen die Initiatoren des Wettbewerbs Folgendes aus: „Bewegt euch, vor allem im Kopf. Wagt euch auf interessantes Aufgabengebiet. Engagiert euch. Zeigt Haltung - und belohnt euch mit außergewöhnlichen Preisen und ziemlich viel Geld!“
 

Wie sind wir vorgegangen?

Zu Beginn des Schuljahres stellte uns unser Sozialkundelehrer Herr Schweizer die verschiedenen Themen vor und stellte auch klar, dass dies ein Schülerprojekt werden sollte, das von der konservativen Unterrichtsform (sprich: Lehrer redet, Schüler hört zu… so viel er kann) vollkommen abweichen würde und wir in der Gestaltung und Planung weitgehend auf uns selbst gestellt wären.

Nun begannen wir also, einen Plan zu erstellen, was genau unser Projekt werden sollte und wie genau wir vorgehen wollten. Am Anfang stellte sich das als ein Problem heraus: Es ist ziemlich schwer, sich als 27-köpfige Klasse immer einig zu sein und Kompromisse zu finden, die auch alle zufrieden stellen.  
In unserem Vorhaben einigten wir uns darauf, die Modegiganten H&M und Primark in puncto Fairness, Bekanntheit und  Preis zu vergleichen und das Ergebnis in einer Infobroschüre festzuhalten.
Um jedem ein Thema zu geben und produktiver zu sein, teilten wir uns in Kleingruppen á 5-6 Schüler auf und suchten Antworten auf die Fragen:
 
  • Wo wird produziert? Unter welchen Umständen und zu welcher Bezahlung?
  • Wie setzt sich der T-Shirt-Preis zusammen?
  • Gibt es Kinderarbeit?
  • Wie beliebt sind die Firmen bei verschiedenen Käufern? …und noch viele mehr.

Nachdem wir zu Hause recherchiert und im Computerraum eine Präsentation zu unserem Aufgabengebiet erstellt hatten, begannen die „echten“ Arbeiten.
 

Wie sah das Ergebnis aus?

Nachdem uns klar war, dass für diese billigen Preise bei den beiden Modegiganten vor allem auch die Produzenten in den Ländern der Dritten Welt selbst bezahlen, wollten wir wissen, wie gut unsere Mitschüler am JEG über die Arbeitsverhältnisse in den Billigketten H&M und Primark informiert sind.  Wir fragten etwa 100 unserer Mitschüler beispielsweise, ob sie selbst Kleidung der oben genannten Modeunternehmen besitzen und wenn ja, wie viel Prozent.
Wie die folgenden Grafiken verdeutlichen, fanden wir heraus, dass  Schüler im Alter von 10-18 Jahren deutlich mehr Kleidung von H&M als von Primark besitzen.

Bild 1

Nun kamen wir bei unserer Befragung zum Kern des Problems „Billige T-Shirts – Wer bezahlt den Preis?“. Auf die Frage, wieso die Klamotten bei den Billigketten so günstig sind, bekamen wir in folgender Reihenfolge der Häufigkeit die Antworten: schlechte Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit, billige Herstellung.
Hinsichtlich der Frage, in welchen Ländern die beiden Ketten produzieren lassen, waren die meist genannten Länder Bangladesch, Indien und China, was zeigt, dass viele unserer Mitschüler über die  Orte, an denen billig produziert wird, Bescheid wissen.  
Auch die nächste Frage wurde weitgehend zutreffend beantwortet, da ein Großteil der Befragten über den Dumpinglohn von unter 50 Euro pro Monat für die Näher bzw. Näherinnen in den Produktionsländern informiert war.  

Bild 2

Abschließend wollten wir wissen, ob unsere Mitschüler sog. Fair-Trade Firmen kennen. Es zeigte sich, dass nur 11 % der  Schüler über „Fair -Trade“ Firmen wie z.B. Hessnatur informiert waren.
Obwohl also viele unserer Mitschüler über die schlechten Bedingungen in den Fabriken informiert sind, besitzen sie trotzdem unzählige Klamotten der beiden Moderiesen. Woran kann das liegen?

Diese Ergebnisse veranlassten dazu, die Lage noch einmal genauer zu analysieren! Also was liegt näher als sich selbst auf die Socken zu machen und Filialen von H&M sowie Primark vor Ort in Frankfurt zu besuchen?
Deshalb machten wir uns auf, um in den Geschäften selbst sowohl Kunden als auch Angestellten einige Fragen zu stellen. Hier eine kleine Auswahl der Punkte aus unserem Fragebogen:
 
  • Wie sind die Kunden dem Thema „Fairer Handel“ gegenüber eingestellt?
  • Wie reagieren Angestellte von H&M und Primark auf unsere – z.T. unbequemen – Fragen?
  • Wie glaubwürdig sind die Aussagen, die die Verkäufer treffen?

Unsere Recherchen ergaben, dass den Kunden entweder die Gründe für den niedrigen Preis nicht bekannt sind oder sie ebendiese Gründe weitgehend verdrängen und ignorieren. Bei der Frage „Würden Sie die T-Shirt-Preiszusammensetzung als fair bezeichnen?“  etwa fielen Schlagwörter wie „Kinderarbeit“ oder „Dritte Welt-Länder“ – und trotzdem liefen die Käufer mit H&M-Tüten weiter. „Man sollte darüber reden und etwas ändern. Dafür wäre ich auch bereit, mehr Geld zu zahlen“, so einer unserer Befragten.
Bei Primark kamen wir zu sehr ähnlichen Ergebnissen, bei einer komplett anderen Verkaufsstrategie: Denn während H&M eher auf Exklusivität, Nähe der Kunden und Werbung setzt, verbreitet sich Primarks Beliebtheit über „Mund-Propaganda“ - die Preise für ein T-Shirt betragen teilweise 2,50€!
Überraschend bei unserer Umfrage: H&M-Kunden sind zunehmend unzufrieden mit dem Preis- / Leistungsverhältnis, was daran liegen könnte, dass sie mehr Qualität erwarten als bei Primark, da die Preise doch deutlich höher sind.
Ein Großteil der Verkäufer würde H&M selbst als nicht fair in Hinsicht auf die Arbeitsbedingungen in Produktionsländern bezeichnen. Jedoch gab es auch Ausnahmen, die behaupteten, dass H&M ein hundertprozentig fairer Arbeitgeber sei, was uns sehr verwunderte.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass sowohl die Verkäufer als auch die Kunden sich zwar der Bedingungen bewusst sind, jedoch diese weiterhin unterstützen, was darauf zurückzuführen ist, dass in der heutigen Zeit sich niemand mehr den Preis für den Luxus des Überflusses leisten möchte. Obwohl fast jeder etwas dagegen tun möchte, ist es schwer, Firmen zu finden, die fair produzieren. In Zukunft sollte sich jeder dafür einsetzen, dass etwas dagegen getan wird.
 

Was hat uns das Projekt gebracht?

In der Oberstufe werden wir für unsere P-Seminare unter ähnlichen Bedingungen in Teams arbeiten. Dafür war dieses Projekt sehr hilfreich.
Wir haben auf alle Fälle gelernt, uns mit anderen zu verständigen, die eigene Meinung auch mal zurückzustellen und kompromissbereiter zu sein, als wir es vorher waren.
Dadurch, dass wir so nahe an unseren Befragten recherchiert haben, nahmen wir die ganzen Ergebnisse auch besser wahr. Denn natürlich hätten wir uns im Unterricht einfach irgendwelche Graphiken anschauen können, aber sie wären niemals so einprägsam und interessant gewesen!

Es hat sich wirklich gelohnt, ein so wichtiges und alltägliches Thema zu behandeln, auch, weil ihm ein Projekt der bpb zugrunde liegt und wir eine Broschüre gestalten sollen! Wir haben sicher viel mehr Einsatz gezeigt, als wir es getan hätten, „weil es halt so im Lehrplan drinnen steht“.

Und zum Schluss: Die Globalisierung ist uns bekannt - wir reisen nach Australien, essen Chinesisch und unterhalten uns über das Internet mit Menschen aus der ganzen Welt. Die Schattenseiten sind uns durch diese intensive Arbeit viel näher gekommen, und wir werden bestimmt auch überlegen, ob wir unsere T-Shirts zukünftig nur bei H&M, Zara, Primar und Co. kaufen oder nicht doch lieber bei hessnatur.
 
Hanna Rieger, Erona Tasholli, 9b