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„Deutschland ist very beautiful“

Flüchtlinge aus Syrien zu Besuch am JEG

Als „epochale Herausforderung“ und keine „vorübergehende Kinderkrankheit“ bezeichnet Joachim Oberle, Vorsitzender des JEG-Freundeskreises, die aktuelle Flüchtlingskrise. Auf seine Initiative hin sind zwei junge syrische Männer am Dienstag, den 11.11.2015 zu Gast im Sozialkundekurs der Q11 von OStRin A. Schneider. In kleiner Runde lernt man sich kennen und tauscht Erfahrungen aus, bringt aber auch Ängste der Schülerinnen und Schüler zur Sprache.
In erstaunlich verständlichem Deutsch berichtet zunächst Hassan Husin, ein 25jähriger syrischer Kurde, von seiner Flucht aus dem Land. Diese hat er mit dreijährigem Zwischenstopp im Irak finanziert. Ziel war von Beginn an Deutschland, das im arabischen Raum ein enormes Ansehen genießt. 8000€ hat Hassan Schleppern für seinen Traum von einem sicheren Leben und der Fortsetzung seines Studiums der Landwirtschaft bezahlt. Ganz anders verlief die Flucht des Drusen Abdullah al Hajali, der von der Türkei mit dem Schiff nach Griechenland übergesetzt ist, was für ihn mit großen Ängsten verbunden war, da er nicht schwimmen kann. Die 1000€ für die Überfahrt hat er sich von Freunden geliehen, danach ging es zu Fuß weiter. Für ihn ist der Wunsch nach einem friedlichen Leben in einem politisch stabilen Land das ausschlaggebende Moment, denn „Deutschland ist very beautiful, because of controll, smart, strong.“ Auch Abdullah möchte sein begonnenes Studium der Kunst in Deutschland vollenden.
Den syrischen Männern erscheint die Bundesrepublik als Paradies. Sie haben auf ihrem Weg über München und Würzburg nach Elsenfeld keinerlei Anfeindungen erlebt, sondern Menschen, die sich um sie kümmern. Beide sind fest entschlossen zu bleiben und suchen Kontakt mit den Deutschen. Bescheiden und zurückhaltend beantworten sie die Fragen der Schüler nach ihrer Familie, den Erlebnissen auf der Flucht und ihrer derzeitiger Situation. Dabei scheint es, dass der Wunsch nach Integration eine Selbstverständlichkeit ist, weil die Bewunderung für die europäische Lebensweise mit all ihren Freiheiten so groß ist. Die Syrer zeigen dies, indem sie immer wieder versuchen sich in deutscher Sprache mit den Schülern zu verständigen. Stoßen die Sprachkenntnisse dann doch an ihre Grenzen, greift mit viel Wissen und Herz Herr Zantout ein, der seit sechs Monaten ehrenamtlich als Dolmetscher und Helfer in allen Lebenslagen fungiert, der „Onkel“ für die Elsenfelder Migranten.
Sensibilisiert reagieren beide Besucher, als es um die Diskussion schwieriger Fragen der Flüchtlingsproblematik geht. Sie zeigen Verständnis für Befürchtungen der Schüler, beispielsweise hinsichtlich der Entstehung von Parallelgesellschaften oder der Begrenzung des Flüchtlingsstroms. Traurig und hilflos blicken sie auf ihre Familien in Syrien, mit denen sie weiterhin Kontakt pflegen. Gleichzeitig ist ihnen aber auch bewusst, dass sie zuerst ihren eigenen Weg gehen müssen, um ihnen später nach ihren Möglichkeiten helfen zu können. Sie sind in Deutschland angekommen und tun ihr Möglichstes um sich zu integrieren, sind aber auf die Hilfe der Menschen vor Ort angewiesen. Hassan und Abdullah finden es schade, dass sie nur mit „alten Leuten“ zu tun haben, zum Beispiel in ihren Sprachkursen. Sie möchten Kontakt zu jungen Menschen und sind auch deshalb so gern ans JEG gekommen. Ein erster Schritt des Kennenlernens ist also gemacht – weitere werden sicher folgen!
A. Schneider