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Verlauf des Seminars

P-Seminar „Louvre-Projekt“ 2014/2016

Was haben zehn Mädels, ein Junge und zwei Lehrer, die donnerstags in der 9. und 10. Stunde in einem stickigen Klassenzimmer sitzen, gemeinsam?
Sie wollen nach Paris! Wir, also das P-Seminar Louvre-Projekt von Frau Hein und Herrn Trosbach, sollten die große Ehre haben, in der Oberstufe zwei „Studienfahrten“ zu erleben. Betonung auf „sollten“, denn leider fand die zweite Fahrt nie statt, aber dazu später mehr.
Zu Beginn unseres projektorientierten Seminars waren wir alle ein bisschen aufgeregt. Keiner hatte so wirklich eine Ahnung, was da auf uns zukam. Nur eins war scheinbar sicher, wir würden irgendwann nach Paris fahren, um den Louvre, das wohl bekannteste Museum der Welt, näher kennen zu lernen. Also schrieben wir alle erst einmal unsere Erwartungen hinsichtlich unserer Fahrt auf kleine Zettel. Danach stellten uns unsere Lehrer den Fahrplan für unser P-Seminar vor:
Wir würden….
…die Reise, das Programm und den Besuch im Louvre alleine planen, organisieren und buchen.
…die Uni Würzburg und den dort ansässigen Fachbereich für Romanistik besuchen und
… an einem atelier candidature teilnehmen.
Aha, das erste war uns eigentlich klar, das zweite war auch noch denkbar, aber was ist denn bitte ein atelier candidature?
Darüber klärte uns erst einmal Frau Hein mit sehr viel Enthusiasmus auf. Mlle Caroline Moisan, eine Mitarbeiterin des deutsch-französischen Instituts in Erlangen, würde uns besuchen, um uns den  Ablauf einer Bewerbung auf Französisch für eine Arbeitsstelle nahe zu bringen. Dafür mussten wir im Voraus einen CV (Lebenslauf) verfassen; daraufhin übten wir in einer Sitzung des P-Seminars Einstellungsgespräche. Schließlich  war es soweit: Am 6. November 2014 nahmen wir an dem 3-stündigen Atelier (niemand hatte geahnt, dass Caroline Moisan so motiviert sein würde) teil. Nachdem wir aber den ersten Schock des dreistündigen Marathons überwunden hatten, stellten wir fest, dass es doch sehr interessant und lohnenswert gewesen war (aber Schüler meckern natürlich lieber erst einmal, Berufskrankheit!).
Als nächstes Großereignis stand der Besuch der Uni Würzburg am 29. Januar 2015 auf dem Plan. Mit Bahn und Bus fuhren wir zur Universität am  Hubland, um uns von Frau Professor Dr. Burrichter über die Möglichkeiten eines Studiums der Romanistik aufklären zu lassen. Dabei wurde uns allerdings die Illusion genommen, dass wir nach einem supertollen G8-Abitur Französisch auch nur ansatzweise so gut beherrschen würden, dass wir diese Sprache  studieren könnten. Aber  zu unserer Beruhigung seien die Professoren den Mangel an Wissen und Können der heutigen Schüler und Schülerinnen  schon gewöhnt, sodass es als Hilfestellung Vorkurse gebe. Auf diesen Schock hin aßen wir erstmal in der Mensa, unternahmen einen Spaziergang über das Unigelände, bei dem wir eine persönliche Führung der Lehrer erhielten, um abschließend einen kleinen Abstecher in die Stadt zu machen, bevor wir wieder mit dem Zug nach Hause fuhren.
Ab jetzt wurde es ernst. Bei unserem nächsten Treffen im Frühjahr teilten wir uns in drei Gruppen ein: Die Reise-Hotel-Buchungsgruppe, bestehend aus vier Mädels, die Programmgruppe, ebenfalls vier Mädels und die Louvre-Gruppe, bestehend aus zwei Mädels und unserem Hahn im Korb.
Nachdem wir recht schnell ein Bahnticket gebucht hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem Hotel, welches…
…möglichst günstig, aber sauber sein sollte.
…drei Einzelzimmer (unser Hahn konnte ja nicht zu den Hühnern  in ein Zimmer) und noch zehn Betten in irgendeiner Konstellation haben sollte.
…sich nicht in bestimmten Arrondissements befinden durfte und
…nah am Zentrum sein sollte.
Des Weiteren musste es vom 16. November bis 20. November 2015 verfügbar sein. Man glaubt es kaum, doch dank unserer Unermüdlichkeit fanden wir schließlich ein schickes Hotel im 10. Arrondissement.
Im Juli wurde dann auch offiziell unsere Bewerbung für das Programm „Classe musée“ des KM und des Institut Français angenommen! SUPER!
Die Entscheidung über das Programm verschoben wir auf das nächste Schuljahr, da es schwierig war, so früh etwas zu buchen und da unser „bester“ Freund im Louvre, Monsieur Moussa, sich „etwas Zeit“ ließ, auf unsere Anfrage bezüglich zu buchender ateliers im  Louvre zu antworten.
Monsieur Moussa ist nämlich eine ganz besondere Nummer. Frau Hein und Herr Trosbach hatten uns schon vorgewarnt, jedoch schaffte er es, sogar unsere Lehrer zu überraschen. So antwortete er erst im August und bat uns, unsere Wünsche für die ateliers und conférences guidées kund zu tun, was wir eigentlich schon getan hatten. Dank der modernen Technik und einer Vorauswahl von Frau Hein schafften wir dies auch  trotz Ferien, nur um dann ein von Monsieur Moussa selbst ausgesuchtes Programm zugeteilt zu bekommen. Da der werte Herr  aber unsere Wunschdaten berücksichtigt hatte, verzichteten wir auf sowieso sinnlose Änderungswünsche.
Gleich am Anfang des nächsten Schuljahres trafen wir uns, um unser endgültiges Paris-Programm festzulegen. Es wäre ein wunderbares Programm geworden, überzeugen Sie sich selbst:
 
MONTAG DIENSTAG MITTWOCH DONNNERSTAG FREITAG
Abfahrt: 7.06 Uhr
Ankunft: 12.50 Uhr
Frühstück Frühstück Frühstück Frühstück
Notre Dame
Arc de Triomphe
Galeries Lafayette
Eiffelturm
Catacombes
Musée du cinéma
Montmartre
Louvre 10.30 – 13.00 Uhr «Face aux œuvres, le croquis» Louvre 11.15 – 12.45 Uhr «Les chefs d'œuvre mé - connus de l'aile Richelieu» Musée Rodin
Quartier Latin
    Mittagspause Mittagspause  
    Louvre 14.30 – 16.00 Uhr «Les grands chefs d'œuvre du Louvre» Louvre 14.15 – 16.45 Uhr
«Photographier le Louvre»
Ende 15 Uhr
    Jardin des Tuileries
(Musée de la magie)
Rückkehr zum Hotel; Zeit zum Duschen etc. Heimfahrt: 17:10
20:15 Schifffahrt Theaterbesuch Freizeit Gemeinsames Abendessen Ankunft: 22:55






Darüber hinaus suchten wir uns immer zu zweit oder dritt bereits vor den Sommerferien ein grand chef d'œuvre du Louvre (Meisterwerk im Louvre) aus, welches wir unseren Mitschülern auf Französisch vor unserer Fahrt vorstellten.
Zuletzt teilten wir ein, wer am Präsentationsabend für unsere Eltern und alle Interessierten welche Aufgabe übernehmen würde.
Nun stand unserer Reise nichts mehr im Wege, bis der Freitagabend vor unserer Abfahrt gekommen war!
Freitag, der 13., welch ein passendes Datum! Wir waren geschockt! Paris war Opfer eines Terroranschlags geworden! In unserer WhatsApp-Gruppe diskutierten wir alle möglichen Varianten und Thesen. Sollten wir fahren oder daheim bleiben? Das war die allseits umstrittene Frage. Die Meinungen gingen von „Ja, ich will fahren, ich lass mich doch nicht von den Terroristen einschüchtern und gebe ihnen keine Macht über mich!“ über „Was ist, wenn nochmal was passiert? Ich hab Angst!“ bis hin zu „Wenn was passiert, sind wir für immer traumatisiert!“. Jedoch waren die meisten am Samstag, nachdem etwas Zeit vergangen war, der Meinung, dass sie fahren wollten und wünschten sich insgeheim, dass es möglich sei,  die Fahrt auf freiwilliger Basis stattfinden zu lassen. Die Tatsache, dass unser Hotel in der Nähe der Anschlagsorte lag, schockte uns zuerst, jedoch glaubten wir, dass wir aus diesem Grund dort sicher sein würden. Schließlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass zweimal hintereinander am selben Ort Anschlage verübt werden, sehr gering. Doch unsere Ansicht, dass Paris nun eine der sichersten Städte sein würde, sollte bald zerschlagen werden.
Es kam eine Mail, dass wir mit unseren Eltern am Sonntag, dem Tag vor der geplanten Fahrt, um 10:00 Uhr in die Schule kommen sollten, um die Entscheidung, die die Lehrer und Herr Gronemann gefällt hatten, zu erfahren. Ich glaube, selten war es so still im Hilde-Domin-Saal. Doch mit dem Treffen starb unsere letzte Hoffnung. Wir würden nicht fahren! Ich glaube, dass ich im Namen von allen spreche, wenn ich sage, dass wir einfach nur traurig, enttäuscht und wütend waren. Die monatelange Vorbereitung umsonst, die Vorfreude zerstört. Mit welchem Recht mischten sich die Terroristen in unser Leben ein? Und noch schlimmer, wie konnte jemand nur in der Lage sein, solch ein Grauen Menschen, Familien, einer Stadt, ja einem ganzen Land anzutun?
Natürlich verstanden wir, dass es unserem Schulleiter unmöglich war, uns fahren zu lassen. Die Tatsache, dass es unklar war, ob die Terroristen noch in Paris waren, konnten wir nicht ignorieren. Darüber hinaus wurde auch ein Verbot von Klassenfahrten des französischen Unterrichtsministeriums erlassen. Also war nun alles  endgültig vorbei, wir wussten alle, dass wir nicht mehr die Möglichkeit haben würden, nach Paris zu fahren. Da war die Tatsache, dass wir das bereits gezahlte Geld komplett zurückerstattet bekamen, auch kein wirklicher Trost.
Am 8. Dezember trafen wir uns noch einmal, um mit unseren Lehrern den Ablauf des deutsch-französischen Tages zu besprechen, der als kleiner Ausgleich dienen sollte:
Wir hatten uns nämlich entschlossen, an diesem Projekttag für die 7. Jahrgangsstufe mitzuwirken. So konnten wir als Team wenigstens noch ein kleines Projekt erfolgreich durchführen!
Sophie Schreiber, Q 12