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White-Horse-Theatre 2017

White-Horse-Theatre wieder zu Gast am JEG

Bereits um kurz vor sieben Uhr – noch in der Dunkelheit – begannen die Aufbauarbeiten der Theatergruppe „White Horse“ aus Soest für einen langen Theatertag am JEG. Jedes Jahr fasziniert es die Zuschauer aller Altersgruppen aufs Neue, dass es wirklich gelingt, aus einem kleinen Van vier Schauspieler und das dazugehörige Theaterequipment hervorzuzaubern: die verschiedensten Kostüme, Kulissen, Bühnenbild, Elektronik, Lautsprecher, etc. Vor allem aber haben die jungen theaterbesessenen Leute eine geschickte Regie im Gepäck, sowie Talent und Liebe für das Detail. Die sonst schwer anlaufende erste Unterrichtsstunde wird ersetzt durch die jungen Akteure aus England, die ihr Publikum mit farbenfrohen und aktionsreichen Darbietungen nicht nur aufwecken, sondern auch in ihren Bann ziehen. Die Unterstufenschüler fieberten mit, als Silver Jane sich auf den Weg macht, um das Universum zu retten und waren vor allem von den slow-motion Szenen und der lockeren, aufgeschlossenen Art der Schauspieler begeistert. Verständnisschwierigkeiten gab es so gut wie keine, nahmen die Schauspieler doch durch leicht reduziertes Sprechtempo und klare Aussprache auf unsere Kleinen Rücksicht.
In einem Stück zum Thema Jugendkriminalität konnten sich die Jugendlichen der Mittelstufe gut in die Situation des Protagonisten einfühlen, dem es trotz eines Ferienjobs nicht gelingen will, sich annähernd den Kaufpreis seines Traumcomputers zu ersparen, und ihn schließlich, angespornt durch eine Mitschülerin, für die er sehr schwärmt, in einem Fachgeschäft stiehlt - und damit letztlich auf die Nase fällt.
Shakespears Romeo and Juliet – eine Tragödie aus dem Jahre 1597 - bildete am Nachmittag den Höhepunkt des Theatertages. Die Aktualität und die Brisanz des Themas zieht nach wie vor Generationen von Liebenden in ihren Bann. Nicht wie die beiden jungen Leute aus verfeindeten Familien in Verona, sondern hier vor Ort in ihrem täglichen Umfeld erfahren und erspüren unsere Schülerinnen und Schüler, mit welchen unerwarteten Komplikationen eine Liebe über „Grenzen“ verbunden sein kann. Religion, Standesunterschiede, Lebensauffassungen und auch unterschiedliche Nationalitäten können verhindern, dass Liebende zueinander finden. Shakespeare rafft das Geschehen auf einen Zeitablauf von vier Tagen und Nächten; die so entstehenden Verkettungen erwecken den Eindruck tragischer Unaufhaltsamkeit: Beide sterben, und der Zuschauer möchte irgendwie intervenieren, um das Unaufhaltsame doch noch aufzuhalten.
Shakespeares Hohes Lied auf die Liebe , gelegentlich derb reduziert auf das Sexuelle, wird umrahmt von einer verbalen Komödie frivoler und obszöner Späße. Mercutio, Tybald und die Amme tragen dazu bei, dass die berühmten Liebesbegegnungen zwischen Romeo und Julia in Ball-, Balkon-und Abschiedsszene ihre tiefe Wirkung auch auf sprachlicher Ebene entfalten können. Genau dies erreichen die Schauspieler, die mit viel Leidenschaft und Empathie ihre Rollen interpretieren. Oliver Aitchison wird so von seiner Rolle absorbiert, dass die Tränen, die er vergießt echt sein könnten. Nicht weniger emotional ist Lauren Donovan als Juliet in ihrer Rolle präsent. Man nimmt beiden ihre starken Gefühle ab. Erst später merkt der Zuschauer, dass das Hochzeitslager – perfekt symbolisch dargestellt durch einfachste Requisiten – mehr und mehr zum Totenbett wird. Das Wiedereintauchen in das reale Leben nach der Schlussszene fällt beiden schwer. Sie scheinen glücklich, dass der jeweils andere doch noch am Leben ist.
Gymnasiale Bildung schließt unbedingt mit ein, Theater (auch in einer Fremdsprache)  wert zu schätzen und schauspielerische Leistung entsprechend zu würdigen. Die Fachschaft Englisch schätzt sich glücklich darüber, dass wir unseren Schülern jedes Jahr erneut Gelegenheit bieten können, dies auch einzuüben und freuen uns daher schon auf ein neues Gastspiel des White Horse Theatres im kommenden Schuljahr am JEG.

Für Impressionen der Theateraufführungen besuchen Sie unsere Bildergalerie.
 
Fachschaft Englisch