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Dialekttag

Achtklässler des Julius-Echter-Gymnasiums räumen am Schülertag des Unterfränkischen Dialektinstitutes (UDI) ersten und zweiten Preis ab

 
Besch, Hinglslaadern, Kolder, Riwwelbloatz, Doannemuggl, Grumbernsaload, Petzemetze – das sind nur einige der Dialektwörter, die auf der Vorschlagsliste der Schülerinnen und Schüler der Klassen 8a und 8b des Julius-Echter-Gymnasiums Elsenfeld für ihr Erklärvideo standen.
Ein Erklärvideo zu einem für die eigene Region typischen Dialektwort produzieren – das war die diesjährige Wettbewerbsaufgabe, die das Unterfränkische Dialektinstitut Würzburg den teilnehmenden Klassen stellte.
StRin Carina Freudenberg hatte ihre zwei Deutschklassen für den Schülertag angemeldet, wobei sich beide Klassen von Anfang an das ehrgeizige Ziel setzten, dass man Würzburg als Sieger verlassen wollte. Alle waren sich einig, dass man dieses Ziel nur mit einem hohen Maß an Kreativität und einem fundierten Fachwissen bezüglich des gewählten Dialektwortes erreichen könne. Dank des unermüdlichen Arbeitseinsatzes vieler Schüler, die mehrfach ihre Freizeit für das Projekt opferten und beim selbstständigen Arbeiten nicht nur großes Organisationstalent, sondern auch ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein an den Tag legten, konnten schließlich zwei vielversprechende Videos beim UDI eingereicht werden.

„Kolder“ und „Grumbernsaload“
Angelehnt an das Format einer Talkshow gingen die „Super Grannys" der 8b in ihrem Video der Herkunft des Wortes „Kolder“ auf den Grund: Aus dem Lateinischen von „culcita", für Kissen, Polster oder Matratze abgeleitet, findet man das Wort „Kolter“ bereits im Buch Judith im Alten Testament und im Nibelungenlied wieder. Was ein(e) Kolder ist, wurde spätestens klar, als eine so im Rheinfränkisch-Hessischen umschriebene Wolldecke in Zeitlupe durchs Bild flog.
Dem „Grumbernsaload" aus Michl Müllers gleichnamigem Lied widmete sich dagegen die 8a, die als Rahmen ihres Videos eine bekannte Kinderwissenssendung des WDR wählte. So wurde aus „Wissen macht Ah“ „Wissen macht 8a“, wobei es nahe am Original angelehnt auch eine Außenreportage gab, die bei einem Leidersbacher „Showcooking“ Tipps im Originaldialekt zur Kartoffelsalatzubereitung einholte. Zudem wurde beispielsweise die Verbreitung der unterschiedlichen Dialektvarianten des Wortes „Kartoffel“ in Unterfranken als Wetterbericht aufgearbeitet, in dem neben dem „Grundbirnenhoch“ auch ein sich breitmachender „Erdapfel“ oder das „Kartoffeltief“ vorkamen.

Preisverleihung mit Spannung erwartet
Am Schülertag selbst, der unter dem Motto „Dialekt und neue Medien“ stand, war der Hörsaal im Philosophiegebäude der Universität Würzburg voll. Neben den insgesamt zehn teilnehmenden Klassen aus ganz Unterfranken war auch das Interesse der regionalen Medien groß, sodass einige Schüler der 8a sogar in den Genuss kamen, in einem Radiobeitrag des Bayerischen Rundfunks mitzuwirken. All das steigerte die ohnehin schon kaum zu überbietende Spannung und Aufgeregtheit der Schüler, die gerne sofort die Videobeiträge der Konkurrenz gesehen und das Juryurteil erfahren hätten. Allerdings mussten sie sich bis zum Nachmittag gedulden, da der Schülertag den Teilnehmern auch die Gelegenheit bieten will, ein wenig „Uniluft“ zu schnuppern. So gab Dr. Monika Fritz-Scheuplein einen Einblick in die Dialektforschung und Dialektvarianten in Unterfranken und informierten studentische Mitarbeiter über Dialekt in sozialen Netzwerken, bis die Schüler dann nochmals selbst aktiv wurden und ihre eigenen Ergebnisse zum Thema „Dialekt in den neuen Medien“ unter Berücksichtigung persönlicher Erfahrungen präsentierten – auch diese Aufgabe galt es als Vorbereitung auf den Schülertag zu bewältigen.

„Super-Grannys“ sahnen ab, dicht gefolgt vom „Grumbernsaload“
Dann endlich war es soweit. Gespannte Stille im Hörsaal, die alsbald von frenetischem Jubel unterbrochen wurde. Beide Klassen hatten tatsächlich das gesetzte Ziel erreicht: Die „Super-Grannys“ sahnten mit ihrem Beitrag zur „Rettung der Kolder“ den ersten Preis ab, wobei die Jury neben den weitreichenden erklärenden Bestandteilen des Videos besonders auch die filmische Qualität lobte, die sich deutlich von den übrigen Videos abhob. Dass neben jeder Menge Arbeit auch der Spaß nicht zu kurz kam, zeigten die „verpatzten Szenen“, die auf den Abspann des Videos folgen. Aber auch die 8a hatte ihre Sache sehr gut gemacht, denn hier überzeugten vor allem die authentischen Dialektbeiträge, besonders in Gestalt der beiden Leidersbacher „Omas“, sowie das in sich stimmige Gesamtkonzept einer Fernsehsendung, bei dem selbst an einen eingespielten Werbespot – natürlich für Kartoffelsalat – gedacht wurde. Daneben gefiel die Hommage an Michl Müller, denn auch die Juroren befanden: „Woas nützt mer denn des größte Schnitzel auf dere Weld, wenn zu dem schöne Schnitzel die Beilache fehld?“



Für alle Beteiligten war es eine schöne Erfahrung, dass man das gesetzte Ziel erreichen kann, wenn alle an einem Strang ziehen. Neben dem Stolz auf die eigene Leistung und die Freude über die beiden Preise nahmen die Schüler auch viele Erkenntnisse über den Dialekt mit. Dass etliche Schüler beider Klassen selbst die ausgewählten Dialektwörter nicht aktiv verwenden und teilweise gar nicht kannten, zeigt, dass Dialekt heutzutage bei vielen Kindern nicht mehr zur Lebenswirklichkeit zählt und daher die Auseinandersetzung damit in Projekten wie dem Schülertag umso erstrebenswerter erscheint.
Alle Videos können unter https://www.youtube.com/channel/UCoU3V8SsJ44F5ozfwnNDK6g
angeschaut werden. Also „Koldern iewwer die Füß geläischd un de Grumbernsaload geschnabbd“ und los geht‘s.
 
                                                                                                          Carina Freudenberg



Video Dialekttag Klasse 8a Video Dialekttag Klasse 8b
 
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