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Literaturquartett 2017

„Jeder hat einen Splitter des Andersseins in sich“ ‑

Der Autor John von Düffel bespricht mit Schülern des JEG seinen neuesten Roman „Klassenbuch“.

 
Schon zum zweiten Mal war der renommierte Schriftsteller (mehrfach preisgekrönt für seinen Erfolgsroman „Vom Wasser“) in der Aula des Julius-Echter-Gymnasiums im Rahmen des „Literarischen Quartetts“ zu Gast. Dabei handelt es sich um ein Projekt der Fachschaft Deutsch, bei dem Schüler der Q 11, die stellvertretend für die Jahrgangsstufe als Kritiker ausgewählt worden sind, ein zuvor von allen gelesenes Werk besprechen.



Diesmal war der 2017 erschienene Roman „Klassenbuch“ an der Reihe. Darin schildert John von Düffel am Beispiel der Erlebnisse von neun Schülern einer 11. Klasse nicht nur typische Adoleszenzprobleme, sondern entwirft darüber hinaus eine literarische Versuchsanordnung, die sich mit den Folgen der durch die Digitalisierung verschwimmenden Grenze zwischen der realen und der virtuellen Welt beschäftigt. Dieses Überlappen der beiden Welten zeitigt denn auch existentielle Auswirkungen für das Handeln der Romanfiguren.
Nachdem der Autor eine Passage aus dem „Klassenbuch“ vorgelesen hatte, waren die Schüler der Q 11an der Reihe. Obwohl nach der nicht eben einfachen Lektüre des Romans durchaus kritisch gestimmt, nahm sie der sympathische Autor von Anfang an für sich ein, indem er alle Schülerstatements gleich ernst nahm und immer eine differenzierte und vor allem verständliche Antwort parat hatte. Dabei gab von Düffel mitunter auch Persönliches von sich preis. Zum Beispiel erzählte er den erstaunten Zuhörern, dass er selbst nie so einsam gewesen sei wie in der Schule, die er als „Zwangsnetzwerk“ charakterisierte, in der „ein ständiger Kampf darum ausgefochten werde, sich sozial zu behaupten“.



Dem Haupteinwand seitens der Schüler, nämlich der mangelnden Glaubwürdigkeit der Protagonisten, begegnete der Autor mit dem Verweis auf die Entstehungsgeschichte seines Buchs: Startpunkt war ein Projekt des PEN-Clubs, bei dem Schriftsteller gemeinsam mit Schülern eine Geschichte erzählen sollten. Von Düffel arbeitete mit einer Berliner elften Klasse und empfand seine Tätigkeit zuerst als Desaster. Die daraus resultierende „Erzählschuld“ gegenüber den Berliner Schülern trug er quasi als Hausaufgabe in Form seines neuesten Romans ab. So gibt es für die Schlüsselfigur des Lenny ein reales Vorbild, nämlich einen genialisch veranlagten Schüler, der sehr virtuell geprägt ist und sich auf normale Art kaum verständlich machen kann.
Am Schluss der Veranstaltung las von Düffel noch einmal aus seinem Roman und bedankte sich beim Publikum für die anregende Diskussion.

Folgende Zeilen schrieb Herr von Düffel an die Schüler des JEG:
Ein Literarisches Quartett mit Schülerinnen und Schülern ist das ideale Forum, über das "Klassenbuch" zu sprechen - das steht für mich seit der Lesung und dem Gespräch am JEG in Elsenfeld fest! Ich hatte erwartet, dass von den Experten der Q 11 inhaltlich viele Themen des Romans diskutiert werden, aber dass wir uns auch über die Erzählweise, über Perspektiven, Figuren und Aufbau so auf Augenhöhe unterhalten können, das hat mich sehr beeindruckt. Was für eine tolle Tradition dieser Schule, den Schülerinnen und Schülern die Moderation, das Gespräch und die Publikumsbeteiligung ganz anzuvertrauen. Ein Kompliment an alle Beteiligten für die offenen, persönlichen, sehr differenzierten Fragen und Kommentare! Und ein großer Dank an die vielen guten Zuhörer! Eure Lehrerinnen und Lehrer können stolz auf euch sein!

Herzlich
John von Düffel

 
Thum