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Literaturquintett 2013

Über die gute und die böse Welt

Elsenfelder Gymnasiasten debattieren über die Werke „Demian“ und „Stiller und die Finsternis“

Elsenfeld.  Mehr als 100 Schüler aus der elften Jahrgangsstufe des Julius-Echter-Gymnasium haben sich zum Literaturquintett versammelt. Erstmals konnte dieses Kulturereignis in der renovierten Aula der Schule stattfinden. Nach einer kurzen Einführung über den jeweiligen Buchautor sowie einer Zusammenfassung des Inhalts wurde auf dem Podium über die verschiedenen Aspekte der Werke diskutiert.

Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete der Auftritt des Regionalautors Peter Freudenberger, dessen Kriminalroman „Stiller und die Finsternis“ Teil der Debatte war. Obwohl der Krimi von den Schülern durchweg positiv aufgenommen wurde, gingen die Meinungen bei einigen Punkten auseinander. So wurde zum Beispiel von Stefanie Mollner (16 Jahre alt) der teilweise verwendete Dialekt und die starke Gebundenheit an die Stadt Aschaffenburg kritisiert, während Felix Mütterlein (17 Jahre) diese Teile als besonders lobenswert betrachtete.
 

Vom Redakteur zum Krimiautor

Bei der darauffolgenden offenen Runde mit dem Publikum konnte Peter Freudenberger die vielen Fragen der Schüler beantworten. Im Mittelpunkt des Interesses stand der Wandel Freudenbergers von einem Lokalzeitungsredakteur zum Krimiautor, beziehungsweise seine Inspiration, die „Stiller“ Serie immer weiter fortzusetzen. Der Autor erklärte seinen Umschwung mit seinem persönlichen Interesse an einem realen Mordfall, der sich ähnlich zugetragen hatte wie er es in seinem Debütroman „Stiller und die Tote im Bus“ darstellt. Als Quelle seiner Inspiration nannte er die Stadt Aschaffenburg mit ihren Örtlichkeiten, sowie auch reale Fälle. In seiner Lektüre wollte er die Ungereimtheiten, die seiner Meinung nach im realen Fall aufgetreten waren, durch eine andere Betrachtungsweise auflösen. Zum Abschluss seines Auftrittes gab Peter Freudenberger zwei Kostproben aus seinem 2012 erschienen Kriminalroman „Stiller und der Gartenzwerg“.


Mit Hermann Hesses „Demian“ war auch ein international bekanntes Buch im Repertoire des Literaturquintetts. Die Erzählung über Emil Sinclairs Jugend hat seit ihrer Veröffentlichung 1919 viele Menschen polarisiert, so auch die Schülerinnen und Schüler des J-E-G. Die Freiwilligen auf dem Podium waren sich des Öfteren uneins über den Charakter des Sinclairs, der im Verlauf des Buches einer Vielzahl von Veränderungen unterworfen ist. Mit „ein Stück der bösen Welt in der Guten“ versuchte Maximilian Nahlbach (17 Jahre), eine Phase in Sinclairs Leben zu beschreiben. Dass das gar nicht so leicht ist, zeigte später auch die Debatte mit dem gesamten Publikum. Hier wurden viele verschiedenen Sichtweisen und Interpretationen aufgezeigt bis hin zur Frage, ob überhaupt Sinclairs Charakter selbst dargestellt wird oder nur die Einflüsse von zum Beispiel Max Demian im Buch wiedergespiegelt werden. Durch das Programm führten die 16-jährige Julia Koss und der ein Jahr ältere Leonhard Hammel.

 

Klassischer Stoff neu interpretiert

Gastensemble aus Bayreuth präsentiert „Leonce und Lena“ im JEG überraschend anders

Elsenfeld. Das Ensemble „vor dem theater“ hat am Montag im Julius-Echter-Gymnasium (JEG) dazu animiert, einige Figuren aus Georg Büchners „Leonce und Lena“ näher kennenzulernen. Entgegen der Erwartung standen aber nicht die Verliebten Leonce und Lena im Mittelpunkt der Veranstaltung, sondern die Freunde Valerio und Leonce.
 

Stimmiges Ganzes

Die Theatergruppe „vor dem theater“ hat es sich zum Ziel gemacht hat, klassische Lektürestoffe mit modernen Elementen zu verknüpfen und so auch einem jüngeren Publikum näher zu bringen. In der JEG-Aula stellten die aus Bayreuth angereisten Darsteller ihr Bühnenprojekt „Leonce sucht das Glück“ und damit ihr Talent, viele Gegensätze zu einem stimmigen Gesamtkonzept zusammenzuführen.
Als größte Abweichung vom Originalwerk überraschte die Aufführung mit der Darstellung der beiden Charaktere Valerio und Leonce. Die weiteren Figuren aus Georg Büchners Lustspiel ließen die Mitglieder von „vor dem theater“ geschickt aus dem Spiel. So trat Leonce lediglich über Facebook mit Lena in Kontakt - ein Kniff, der die Ferne unterstrich, die anfangs zwischen den beiden Protagonisten herrscht. Auch wenn man sich manchmal eine etwas realere Lena gewünscht hätte, erreichten die Schauspieler ihr Ziel, die Liebesgeschichte aus einem anderen Blickwinkel zu zeigen.
 

Fehlerfreie Tanzeinlagen

Ein weiterer Gegensatz stellte die Musik dar, zu der die Darsteller Lukas Aue (Leonce) und Daniel Pfitzer (Valerio) immer wieder ihre Akrobatikkünste demonstrierten. Zu einer Mischung aus modernen elektronischen Klängen und klassischer Geige zeigten die beiden - passend zu den dargestellten Szenen -  Choreographien, die die Zuschauer immer wieder um die Gesundheit der Akrobaten bangen ließ. Diese Sorge erwies sich jedoch als unbegründet, denn die unter der Regie von Daniela Aue einstudierten Tanzeinlagen gelangen stets fehlerfrei.
 

Positive Reaktionen

Der von Büchner oft verwendete Humor sowie die von ihm angebotenen vielfältigen Möglichkeiten zur Interpretation schlugen sich also nicht nur im gesprochenen Wort nieder, sondern auch in den durch viel Bewegung geprägten Übergängen und Zwischensequenzen. Sowohl Lehrer als auch Schüler konnten sich schnell mit dieser Art der Theaterdarstellung anfreunden, sodass die drei Mitglieder von „vor dem theater“ bei der abschließenden Fragerunde von den rund 100 Besuchern ein durchgängig positives Feedback erhielten.
 
 
Texte und Bilder: Lukas Kunkel, Main-Echo